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Ausstellungen / Max Fabiani |
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| Max Fabiani* |
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von Marco Pozzetto
* Text aus dem Ausstellungskatalog Ansichtskarten von Max Fabiani, Görz 1986
Den Ausstellungen, die den Werken der am Anfang des XX. Jahrhunderts tätigen Architekten, Malern, Bildhauern und Designers gewidmet sind, ist es fast eine Pflicht geworden, einige Postkarten vorzulegen, aud die die Künstler ihre Mitteilungen zeichneten oder malten. Manchmal erreichten solche visuellen Mitteilungen ein echtes künstlerisches Niveau: es sei hier erinnert an die Botschaften an den Prinzen Yusul von Franc Marc, die zu den besten Beispielen der Malerei vor dem I. Weltkrieg gerechnet werden können, egal was die aktuellen "engagierten" Kritiker zu sagen haben.
Der Versuch, sich mit den typischen Mitteln der visuellen Künste auszudrücken, statt Wörter zu verwenden, war damals relativ stark verbreitet, wahrscheinlich aus zwei Gründen: einerseits ermöglichte das visuelle Mittel eine unmittelbare Synthese der Worte - manchmal wurde sogar gedichtet - andererseits waren die mitgeteilten Begriffe ohne lange und für die Künstler langweilige Beschreibungen kaum ausdrückbar.
Max Fabiani (1865-1962), zu seiner Zeit ein berühmter Architekt und gleichzeitig Stadtplaner, war Professor, Essayst und Berater der Wiener Mächtigen und außerdem jeder künstlerischen und technologischen Errungenschaft aufgeschlossen - es sei hier nur an seine Gespräche mit den berühmtesten Künstlern erinnert und an sein 1904 ausgestelltes auf Rädern transportables Haus, das sicher viel Mut abverlangte, kannte natürlich die Angewohnheit seiner Kollegen, die eigenen Gedanken einer Postkarte anzuvertrauen sehr gut. Es ist aber nicht klar, ob er diese Angewohnheit schon Anfang des XX.Jahrhunderts pflegte, fest steht aberdaß er nach 1914, als er beruflich nicht mehr gefragt war,es bequem fand, aquarell gemalte Postkarten zu benutzen. Im Laufe der Zeit wurde dann dieses Mitteilungsmittel zu einer privaten Beschreibung der wesentlichen Ereignisse oder einfach der eigenen Gefühle, fast eine Art Tagebuch. Obwohl er schon Ende der Dreißiger Jahre den größten Teil seines Privatarchivs beseitigt hatte (der Rest wurde 1944 vom Krieg zerstört) bewahrte der Architekt noch einen Teil der inzwischen beträchtlich gewordenen Kartensammlung sorgfältig auf (abgesehen von der Dimension, handelt es sich nicht mehr um Postkarten), offensichtlich weil sie reich an Aussagen sind, die heute kaum zu deuten sind.
Ich habe einige Hunderte gezählt, bevor die Sammlung aufgelöst wurde.
Der Anlass zu ihrer Vorstellung bietet die Schenkung des Briefwechsels zwischen Max Fabiani und der Malerin und Keramikerin Neerea Gatti an die Provinz Görz. Sie gehörte mütterlicherseits zu der großen Seefahrer und Reeder Familie Premuda aus Lussino. Schon als junge Frau lernte sie einige bedeutende Triester Maler kennen, wie Pietro Lucano und Guido Grimani, der ihr erste Kunstlehrer war. Nach reiflicher Überlegung und auf Grund der didaktischen Karten, die ihr Fabiani schon seit den Dreißiger Jahren per Post schickte, glaube ich, Neerea Gatti als seine letzte Schülerin betrachten zu können; ihr venezianisches Studium diente einfach als Fortbildung (vgl. Carlina Ribecchi Riperata, Ceramiche a Venezia -Neerea Gatti pittrice e ceramista, Venezia 1978). Sie haben sich in der fabelhaften Villa Ferrari in San Daniele del Carso kennengelernt; der 65jährige Architekt wurde für die junge Neerea einfach Onkel Max. Ihre Bekanntschaft entwickelte sich bald zu einer tiefen Freundschaft, die bis zu Fabianis Tod dauerte.
In der zweiten Hälfte der Dreißiger Jahren malte Neerea Gatti einen Teil der von Max Fabiani renovierten Kirche in Rifenbergo (Slo) mit Fresken aus,und die in Locavizza (Aidussina -Slo), die der Architekt 1934 gebaut hatte; schliesslich malte die Malerin 1938 den Großen Saal (Festsaal) im Schloss mit Fresken aus. Das Schloss zählt hinsichtlich des Konzepts zu den bedeutendsten Werken Fabianis. Dadurch wurde das fast tausendjährige Gebäude zum Gemeindezentrum. Das Schloss wurde im II. Weltkrieg zerstört und die jetzige Renovierung entspricht Fabianis Entwurf nicht. Trotzdem gibt es noch heute die Kartons, die als Vorbereitung für das große Fresko dienten und vielleicht eine Ausstellung wert wären, denn sie sind bestimmt das beste Malwerk von Neerea Gatti. 1959 schliesslich bot der 94jährige "Onkel Max" der jetzt international bekannten venezianischen Keramikerin die Zeichnungen zum Umbau der Innenräume von San Trovaso in Venedig an: es handelt sich um sein letztes architektonisches Werk, wo die ineinander fließenden Räume erstaunlich modern und menschengerecht sind.
Die Ausstellung der kleinen Aquarelle eines Architekten, eines Gelehrten, der im zweiten Jahrzehnte des Jahrhunderts außerordentlicher Professor für "ornamentales Muster" war und dann ordentlicher Professor für "architektonische Komposition" an der Technischen Universität Wien wurde, die sich damals des Titels "Erste Schule der Monarchie" rühmte, könnte heute als Herausforderung betrachtet werden, denn es geht um eine asynchronische Erscheinung der offiziellen Kultur gegenüber. Wenn man aber die Theorie der wiederkehrenden Ereignisse von G.B.Vico betrachtet, sowie auch die persönlichen innovativen Vorerfahrungen dieses Menschen, dann erscheinen diese Kartenreflexionen in mancher Hinsicht bahnbrechend.
Zu en Neerea Gatti zugesendeten didaktischen Karten - fast alle sind gestempelt - kommen noch diejenigen der verschiedenen Privatsammlungen hinzu. Das erste Aquarell könnte auf die Jahre vor dem I. Weltkrieg zurückgehen, als das alte Europa - sein Europa - im Begriff zu stürzen war, das letzte wurde 1961 gemalt und drückt den Wunsch des 96jährigen Architekten aus, dass Görz sein natürliches physisches Aussehen bewahren möge. Bei den anderen geht es um eine breite Palette von Gedanken über Architektur und Politik, über die Antike und Eingriffe bei schon bestehenden Gebäuden, über die historische Stadt und über die geometrische Struktur der "Luftmalerei" des zweiten Futurismus, sowie auch über die Künstler (Klee, Macke, Marc), die 1912 von Delaunay die Durchdringung der Farbe und der kubistischen Formen erfuhren. Auf der Rückseite gibt es manchmal eine witzige, oft bissige persönliche Bemerkung, Reiseandenken, Wünsche, Gelegenheitsgedanken, symbolische Bemerkungen.
Ich weiss nicht, welche künstlerische Bedeutung dieses Material hat: das haben die Kritiker zu entscheiden. Meine Arbeit über die Deutung von Fabianis Werken ist sicher nicht der beste Ausgangspunkt für die Beurteilung seiner Malerei. Außerdem handelt es sich um eine (wie C.L.Righetti sagen würde) autonome Sprache, die manchmal die Dichtung berührt und oft (meine ich) der einfachen Technik des Mittels überlegen ist.
Damit sofort klar wird, dass es sich um einen Architekten und nicht um einen Maler handelt, wurde beschlossen, ein bisher unbekanntes Stadtplanungswerk über die Arbeiten im Cornotal in Görz auszustellen, das auf das Jahr 1948 zurückgeht. Es handelt sich um ein Bild aus der Vogelperspektive von der Raumaufteilung dieses Gebiets mit allen visuellen Tangentialpunkten, das sicher eine gewisse Bedeutung hat. Die mit dem Füller gezeichnete und etwas aquarellierte Perspektive zeigt, dass Fabiani unter Urbanistik einfach eine "vergrößerte" Architektur verstand; seit einigen Jahren scheint die engagierte Kultur sich diesen Begriff angeeignet zu haben: es sei hier an die mühsamen und steifen Axonometrien der neusten Stadtplanungen erinnert.
Max Fabiani wurde 1865 in Cobidil (Gemeinde S.Daniele del Carso -SLO) geboren. Seine Familie stammte aus Italien. Nach dem Besuch der Volksschule in S.Daniele erlangte er den Realschulabschluss in Laibach. 1883 immatrikulierte er sich an der Technischen Universität in Wien, wo er Architektur studierte und 1892 Diplomarchitekt wurde. 1896 begann er seine akademische Karriere an der TU und wurde Assistent von Professor Karl Konig, der den Lehrstuhl für architektonische Komposition innehatte. 1898 wurde er außerordentlicher Professor für Geschichte der antiken Architektur. Als Mitarbeiter und Kollege von Otto Wagner trug er um die Jahrhundertwende zur Erneuerung der Künste in Wien bei. Er widmete sich auch dem Wiederaufbau von Laibach, das 1895 durch ein Erdbeben zerstört wurde. Dann zog er nach Görz um, wo er sich an dem Wiederaufbau der durch den I. Weltkrieg zerstörten Stadt widmete. Er ist der Autor des Wiederaufbauentwurfs (1921) und legte aus diesem Grund seine akademische Tätigkeit an der TU in Wien nieder. Seither wohnte er in der Provinz Görz und wurde außerdem vertretender Lehrer für Kunstgeschichte an den Görzer Gymnasien und plante verschiedene Gebäude. Er starb 1962 in Görz.
He later moved to Gorizia where he devoted himself to rebuilding the city devastated by the events in the First World War (he drafted the plan of reconstruction in 1921), a project that would force him to abandon his academic duties at Vienna Technical University. From then onward he lived in the Gorizia area where, among other things, he taught Art History in the secondary schools of the city and where he built a series of buildings. He died in Gorizia in 1962.
In Wien findet man seine bedeutendsten architektonischen Werke: unter anderem das Gebäude Portois &Fiz; Palais Palmer, Palais Artaria und das Urania.
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